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Auszüge und Artikel

Topthema: Interview mit Folteropfer


Vorwürfe wegen Folter


In der Untersuchungshaftanstalt von Driesdorf werden nach unbestätigten Angaben über 100 Gefangene aus verschiedenen Ländern Europas festgehalten. Ein Teil der Untersuchungshäftlinge soll sich dort schon über ein Jahr aufhalten. Das Innenministerium betont, dass sich dort nur die gefährlichsten Terroristinnen befänden um verhört zu werden. Es wurde versichert, es werden keine illegalen Mittel angewandt. Zudem stehe jeder Gefangenen ein Rechtsbeistand zu, welcher auf die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit achte.
Gerüchte, es werde zu Mitteln der Folter gegriffen, wies der Innenminister kategorisch von sich. Alles spiele sich im Rahmen der Gesetze ab, hob er darauf nochmals vor.
Allerdings werden die Stimmen nicht müde, die den Gerüchten über systematische Misshandlungen in der Haftanstalt recht geben. Es gibt sogar Hinweise auf ein Sondereinsatzkommando um Herrn Doktor Mors vom M.d.I. Dieses Kommando habe sich auf unkonventionelle Verhörpraktiken spezialisiert, was ihm den inoffiziellen Namen Folterkommando eintrug. Herr Mors wies diese Behauptungen jedoch ab und erklärte, dass er sich nur lediglich die Gesundheit der Inhaftierten zu kümmern habe.


Stresssyndrom


Doktor Mors gab in seiner wissenschaftlichen Arbeit bekannt, dass er den Nachweis erbracht habe, wonach das körpereigene Hormon Kortikosteron zur Linderung des posttraumatischen Stresssyndroms beitrage. Dies sei besonders in Hinsicht auf die Opfer von Terroranschlägen wichtig, denn diese leiden lebenslang an den Folgen des Erlebten. Ein nicht geringer Teil von ihnen sei über Jahre hinweg nicht fähig am normalen Leben teilzunehmen.
Durch Verabreichung des Kortikosterons kann das Niveau der Angst bei traumatischen Erinnerungen deutlich gesenkt werden. Man hofft sogar, durch Hormoninjektionen die Opfer ganz von den Qualen ihres Traumas befreien zu können. Es ist jedoch noch ein gutes Stück Arbeit notwendig, um die genauen Auswirkungen der Behandlung mit Kortikosteron zu erforschen. Doktor Mors zeigte sich in dieser Hinsicht optimistisch.


Krieg in unseren Städten


Hauptstadt – Am Nachmittag, gegen 17.00 Uhr, erschütterte die bis dato heftigste Explosion diesen Monat das Zentrum der Stadt. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, wird jedoch auf über 50 geschätzt. Nach Expertenmeinung muss es sich um eine Bombe mit mehr als 200 Kilogramm Sprengstoff gehandelt haben. Welcher Organisation dieser Anschlag zuzuordnen ist, kann noch nicht gesagt werden.
Die Bombe wurde wahrscheinlich in einem Reisekoffer transportiert, da beobachtet wurde, dass sich eine weibliche Person mit einem solchen, kurz zuvor in der Nähe aufhielt.
Die Detonation tötete alle Personen in der näheren Umgebung und zerstörte mehrere Geschäfte. Augenzeugen berichten, kurz nach der Explosion habe sich ein rötlicher Nebel aus Blut über das Geschehen gelegt. Überall lagen verstümmelte Körper und abgetrennte Gliedmaßen auf der Straße.

Ein Sprecher des Innenministeriums betonte, es werde alles getan, um den Terroristen das Handwerk zu legen. Es wurde der Notstand ausgerufen. Militäreinheiten, die sich seit den letzten Anschlägen in Alarmbereitschaft befinden, wurden zur Unterstützung der Polizei angefordert und riegeln das Stadtzentrum weiträumig ab.
Sämtliche Ein- und Ausfahrten der Stadt werden kontrolliert. Es ist zu Festnahmen gekommen, doch wurde nicht bekannt gegeben, um welche Personen es sich handelt.

Für die Woche wurde Staatstrauer angeordnet. Der Kanzler ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, Ruhe zu bewahren und die Augen offen zu halten. Die Terroristen sind unter uns, doch darf es zu keinen übereilten Aktionen kommen. Nur mit Besonnenheit und klarem Geist könne man der steigenden Gefahr begegnen.

 


Auftrag - Folter?


Dieses Foto erreichte uns mit einem einem anonymen Brief. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden, das Bild mit dem entsprechenden Schreiben zu veröffentlichen:

Ich habe ihr seit drei Wochen vermisstes "Mädchen von Seite Drei", Angela Loley, ausfindig machen können. Sie ist von einem Sonderkommando, dem so genannten F.i.B., entführt worden. Dieses Kommando kidnappt Personen die des Extremismus verdächtig sind und versucht Geständnisse und Informationen von ihnen zu erpressen. Dabei bedient man sich drastischer Mittel. Das beiliegende Bild habe ich heimlich mit dem Handy aufgenommen. Es zeigt Angela während ihres ersten Verhörs. Ich habe diesem beigewohnt. Auch an der anschließenden Folter nahm ich teil. Es geschah auf meinen eigenen Wunsch. Angela hielt sich sehr tapfer und ich hätte vorher nie geglaubt, dass eine junge Frau soviel aushalten kann. Ich versuchte ihr zu helfen. Bitte verstehen sie mich nicht falsch, aber ich selber musste Hand an sie legen. Das tat ich nur, um mich nicht zu verraten. Verzeihen Sie, dass ich meine Identität nicht preisgeben kann.


Banküberfall


Gestern Abend fand ein zweite Überfall auf die Bank in der Krohnstätter Straße statt. Gegen 18 Uhr sollte die Filiale geschlossen werden, als vier Täter aus einem kurz zuvor gestohlenen Kleintransporter sprangen. Mit Maschinenpistolen bewaffnet, zwangen sie die Angestellten zur Herausgabe des Geldes. Sie erbeuteten dabei über 15.000 Euro. In diesem Augenblick hielt ein Streifenwagen neben dem Kleintransporter. Den Beamten war das Fahrzeug verdächtig vorgekommen. Als die Räuber die Bank verließen und den Streifenwagen sahen, eröffneten sie sofort das Feuer. Einer der Polizisten wurde getötet, der andere schwer verletzt. Drei Passanten trugen ebenfalls Schussverletzungen davon. Die Täter konnten darauf fliehen.
Die sogleich ausgelöste Großfandung war jedoch erfolgreich. An einer stadtauswärts errichteten Straßensperre konnte die Räuberbande mit dem gestohlenen Fahrzeug gestellt werden. Es kam zu einem Feuergefecht, wobei drei der Täter getötet und der vierte festgenommen werden konnte.
Nach Angaben des Polizeisprechers handle es sich um eine weibliche Person. Vermutungen, die Räuber kommen aus dem Umfeld der immer stärker auftretenden Stadtguerilla, wollte der Sprecher nicht bestätigen, dies, so inoffiziell, liegen jedoch nahe.


Folter funktioniert nicht


Zunehmend herrscht die Rechtsmeinung vor, Moral ist überflüssig, da legales und moralisches Verhalten identisch sind. Das Recht ist also, egal von welchem Standpunkt aus, nicht kritisierbar. So sind die aktuellen Notstandgesetze, gleichgültig von welcher Seite gesehen, moralisch nicht angreifbar. Dabei wird die Staatsgewalt in ihrem Handeln von jeder Verantwortung befreit. So ist die Folter zu einem legitimen Mittel geworden, auch wenn man dies gerne von offizieller Stelle verschweigt.

Man vergisst dabei gerne, dass die Folter kontraproduktiv ist. Es gibt keinen bekannten Fall, dass sie zu Ermittlungserfolgen geführt hat. Vielmehr korrumpiert sie den Folterer. Sie gibt ihm Macht und untergräbt so seine Disziplin. Das fördert die Instabilität innerhalb der Sicherheitsorgane. Prioritäten verschieben sich auf gefährliche Weise.

Brutalität kann niemals funktionieren. Sie bringt nur wieder Brutalität hervor und schafft so noch mehr Unsicherheit.

Die Folter ist menschenfeindlich. Sie widerspricht allen ethischen Vorstellungen, die sich eine moderne, demokratische Staatsform zu eigen machen sollte. Für sie darf es keine Entschuldigung geben. Dem Menschenrecht hat sich alles unterzuordnen, den es gilt für jeden. Nichts rechtfertigt den Einsatz der Folter, sei der Grund auch verständlich oder gar moralisch vertretbar.

Moral ist ein Begriff, der sich mit den Zeiten ändert. So lässt er sich den Gegebenheiten anpassen und kann schnell zum Anlass für Handlungen werden, die zuvor undenkbar waren. So ist es möglich, dass es gewisse Situationen gibt, in denen man sich die gängige Moral nicht leisten kann und kurzerhand durch eine neue ersetzt. Die Anpassung wird durch die Dynamik in der Gesellschaft beschleunigt und es scheint kaum noch Raum zu geben, dies zu überdenken. So wird die Moral als Argument gegen die Folter schnell zur Falle.


Wer möchte unserer Angie beim Ausziehen helfen?


Unser Mädchen von Seite Drei. Für jeden unserer Leser hat sie ein Lächeln. 


Silke, ein Folteropfer?


Der Prozess gegen Silke Kirsten erregte landesweit Aufsehen. Im Einvernehmen mit der Verteidigung hatte die Staatsanwaltschaft die Durchführung einer Befragung unter der Anwendung aggressiver Maßnahmen beantragt. Die Angeklagte stimmte dieser Anordnung zu. Ihr Anwalt erklärte, so wolle sie freimütig unter Beweis stellen, dass sie auf der Seite der Wahrheit stehe. Einen Test mit dem Lügendetektor habe sie schon bestanden.

Der Raum, in dem die Tortur erfolgen sollte, befand sich in einem abgeteilten Trakt des Untersuchungsgefängnisses.
Ich wurde vom Kommissar freundlich empfangen. Er brachte mich zu Silke. Sie hatte darum gebeten. Ich stand vor einer jungen, selbstbewussten Frau mit hellen Haaren und lebhaften Augen. Sie trug eine dunkle Bluse und enge Jeans. Dafür, dass sie gefoltert werden sollte, kam sie mir befremdlich heiter vor. Fast hätte ich geglaubt, nicht sie wäre die Delinquentin. Ihre auf dem Rücken mit Handschellen gefesselten Arme sagten jedoch etwas anderes. Sie entschuldigte sich, dass sie mir nicht die Hand geben konnte. Ich nickte freundlich lächelnd und stellte mich vor. Sie bot mir an, sie beim Vornamen zu nennen. Darauf kam sie zur Sache und bat, ich möge, wenn die Tortur im Gange sei, darum bitten, sie zu interviewen. Sie wolle mir auf alle Fragen antworten, seien diese auch noch so pikant. Ich war erstaunt, doch versprach ich, nach dem Interview zu verlangen.
Viel Zeit blieb uns nicht, denn die zwei Verhörspezialisten griffen schon nach ihr und nahmen sie mit sich. Ich folgte ihnen in den Behandlungsraum. Der Kommissar zeigte mir meinen Platz. Ich setzte mich neben Silkes Anwalt, der mir kurz zunickte.
Ordnungsgemäß verlas der Kommissar den Torturbescheid. Die Beschuldigte habe jetzt die letzte Gelegenheit, im gütlichen Einvernehmen zu gestehen.
Silke lehnte ab.

Der ganze Bericht: Lesen Sie hier...


Demonstration


Vergangenen Donnerstag haben 3000 Oppositionelle gegen das Ergebnis der Parlamentswahl demonstriert. Das war die bislang größte Kundgebung gegen den amtierenden Präsidenten des Regierungsausschusses nach der gewaltsamen Auflösung der Demonstration im letzten Monat. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen.
Der Präsident betonte, es ginge ihm nicht darum, die Opposition zu unterdrücken. Es gäbe jedoch genug anarchistische Kräfte, die mit Hilfe der oppositionellen Kräfte versuchen, den Staat zu untergraben und so das Gleichgewicht in der Gesellschaft empfindlich zu stören. Das erste Ziel der Regierung sei es, den Frieden in der Gesellschaft wieder herzustellen und sich mit aller Entschiedenheit gegen die terroristischen Anarchie zu stellen. Dazu sind alle Kräfte notwendig und auch die Opposition müsse sich dieser Aufgabe stellen. Nur gemeinsam kann der Wohlstand bewahrt bleiben. Den Vorwurf der Manipulation an den Ergebnissen der Wahl wies der Präsident zurück.

Die Opposition verlangt weiterhin die Offenlegung der Stimmenauslesung.


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