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Der Prozess gegen Silke Kirsten erregte landesweit Aufsehen. Im Einvernehmen mit der Verteidigung hatte die Staatsanwaltschaft die Durchführung einer Befragung unter der Anwendung aggressiver Maßnahmen beantragt. Die Angeklagte stimmte dieser Anordnung zu. Ihr Anwalt erklärte, so wolle sie freimütig unter Beweis stellen, dass sie auf der Seite der Wahrheit stehe. Einen Test mit dem Lügendetektor habe sie schon bestanden.

Der Raum, in dem die Tortur erfolgen sollte, befand sich in einem abgeteilten Trakt des Untersuchungsgefängnisses.
Ich wurde vom Kommissar freundlich empfangen. Er brachte mich zu Silke. Sie hatte darum gebeten. Ich stand vor einer jungen, selbstbewussten Frau mit hellen Haaren und lebhaften Augen. Sie trug eine dunkle Bluse und enge Jeans. Dafür, dass sie gefoltert werden sollte, kam sie mir befremdlich heiter vor. Fast hätte ich geglaubt, nicht sie wäre die Delinquentin. Ihre auf dem Rücken mit Handschellen gefesselten Arme sagten jedoch etwas anderes. Sie entschuldigte sich, dass sie mir nicht die Hand geben konnte. Ich nickte freundlich lächelnd und stellte mich vor. Sie bot mir an, sie beim Vornamen zu nennen. Darauf kam sie zur Sache und bat, ich möge, wenn die Tortur im Gange sei, darum bitten, sie zu interviewen. Sie wolle mir auf alle Fragen antworten, seien diese auch noch so pikant. Ich war erstaunt, doch versprach ich, nach dem Interview zu verlangen.
Viel Zeit blieb uns nicht, denn die zwei Verhörspezialisten griffen schon nach Silke und nahmen sie mit sich. Ich folgte ihnen in den Behandlungsraum. Der Kommissar zeigte mir meinen Platz. Ich setzte mich neben Silkes Anwalt, der mir kurz zunickte.
Ordnungsgemäß verlas der Kommissar den Torturbescheid. Die Beschuldigte habe jetzt die letzte Gelegenheit, alles im gütlichen Einvernehmen zu gestehen.
Silke lehnte ab.
Nun erhob sich der Anwalt neben mir und verlangte, man möge seiner Mandantin die Art der Tortur erklären, um ihr danach noch einmal die Gelegenheit zur Aussage zu geben.
Der Kommissar war einverstanden und befahl den beiden Spezialisten, Silke aufzuklären. Die nahmen sie in ihre Mitte und zupften sogleich an ihrer Bluse. Anzüglich eröffneten sie ihr, dass sie für die Tortur nackt sein müsse.
Silke war nicht eingeschüchtert und sagte, sie hätte nichts dagegen.
Ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass ich ebenfalls nichts dagegen hatte. Die Aussicht, sie bald unbekleidet sehen zu dürfen, begeisterte mich sogar.
Als ihr nun erklärt wurde, wie sie in die Höhe gezogen und aufgespannt würde, kam in mir ein mulmiges Gefühl auf. Sie sollte am ganzen Körper mit Elektroden verkabelt und unter Strom gesetzt werden. Dabei betonte man, dass ihren Brüsten und dem Schoß besondere Aufmerksamkeit zuteil werde.
Silke blieb gefasst, auch wenn sie nun still wurde.
Man zeigte ihr einen gläsernen Zylinder, der mit zwei senkrecht verlaufenden Metallstreifen versehen war. Von ihm hingen zwei Kabel herab.
Mit weit aufgerissenen Augen schaute sie auf das Teil. Ihr war auch ohne Erklärung klar, wozu dieses Ding diente. Sie wusste, dass sie keine Wahl hatte. Entweder sie legte ein Geständnis im Sinne der Anklage ab, oder sie ließ sich all diese Elektroden gefallen. Nachdem sie den ersten Schrecken überwunden hatte, nickte sie den Männern zu.
Nun wurde ihr erklärt, dass sie mit verschiedenen Stromarten und Spannungsstärken traktiert werde.
Sie zeigte sich verständig und schaute hin, als man ihr die elektrischen Apparate zeigte, an denen die Kabel angeschlossen waren.
Am Ende wollte man wissen, ob sie noch Fragen habe.
Bestätigung suchend schaute sie zu mir. Ihr Blick traf mich und ich spürte Angst. Dann schluckte sie und sah zum Kommissar. Sie fragte, wie lange die Tortur dauern würde. Er entgegnete ihr mit einem Schulterzucken, solange er der Überzeugung sei, dass sie lüge.
Ohne eine weitere Aufforderung abzuwarten, begann sie sich auszuziehen. Als sie ihre Hose öffnete, sah sie mich an und sagte, ich solle in meinem Artikel erwähnen, dass sie sich völlig freiwillig dem Urteil der Männer ausliefere. Auf meine Frage, ob sie denn glaube, der Behandlung mit dem Strom standhalten zu können, entgegnete sie, es wäre sicher nicht leicht, aber sie sei dazu bereit. Dann entledigte sie sich der Hose und des Slips.
Ich schaute auf ihren rasierten Schoß und stellte mir vor, dass er bald diesen Glaskolben aufnehmen müsse. Eine merkwürdige Vorstellung. Abschreckend und spannend zugleich.
Silke streckte die Arme über den Kopf und ließ sich an die Kette der Aufzugsvorrichtung schließen. Auch die Beine spreizte sie anstandslos, damit sie am Boden festgeschnallt werden konnten. Man zog sie noch etwas in die Höhe, so dass sich ihr Körper durchstreckte. Aufgespannt stand sie nun vor uns. Ich war über ihr Ausgeliefertsein ergriffen. Auch in ihr ging einiges vor, denn sie rückte sich in ihren Fesseln zurecht und konnte ein leises Stöhnen nicht unterdrücken. Die Männer begannen die Elektroden an ihr zu befestigen. Das taten sie mit geübter Geschicklichkeit. Es dauerte nicht lange, bis Silke vom Kopf bis zu den Zehen verkabelt war. Beim Einführen des Glaskolbens presste sie die Lippen zusammen. Tief holte sie durch die Nase Luft und hielt den Blick starr auf mich gerichtet. Ihre brennenden Augen begeisterten mich. Ich wünschte ihr, dass sie den Mut nicht verlor. Dann, als alles bereit war, trat der Kommissar an sie heran. Sie schaute ihm ins Gesicht. Ich wollte es kaum glauben, sie lächelte. Es war wohl eine Flucht nach vorn. Leise sagte sie, jetzt könne das Spiel wohl beginnen.
Die erste Ladung, die sie erhielt, traf sie unvorbereitet. Abrupt warf sie den Kopf nach hinten und schüttelte sich. Ein Zucken ging durch ihren ganzen Körper. Sofort hob sie ihr Gesicht wieder, um den Kommissar anzuschauen.
Der zeigte sich amüsiert. Auch ich konnte ein schadenfrohes Schmunzeln kaum unterdrücken. Mir wurde die Schamlosigkeit meines Frohsinns jedoch sogleich bewusst und ich schämte mich.
Man ließ Silke nun nicht mehr in Ruhe. Sie beteuerte ihre Unschuld, was ihr auch gleich weitere Ladungen einbrachte. Eine musste besonders heftig ausgefallen sein, denn sie schrie plötzlich auf, dass ich vor Schreck mit dem Stift über den Notizblock fuhr. Ihre Reaktionen wurden nun auch immer heftiger. Sie brüllte und stöhnte, als müsse sie schwere Lasten stemmen. Angestrengt schnaufend schüttelte sie sich, dass ihr die Haare ins Gesicht fielen.
Ich schaute auf meine Uhr. Mir kamen die ersten fünf Minuten, in denen sie lärmte und schrie, ungewöhnlich lang vor. Mich beschlich eine dumpfe Beklemmung.
Der Kommissar gönnte seiner Delinquentin eine erste Pause. Silke erholte sich sehr rasch. Ihre Wangen waren von den Anstrengungen rot und Schweißtröpfchen glänzten auf ihrer Stirn.
Ich wendete mich an die beiden Männer und fragte, wie stark diese erste Tortur gewesen sei. Die entgegneten mir, man könne es als eine Art Anheizen betrachten.
Darauf erkundigte ich mich bei Silke, wie sie diesen Einstieg empfunden habe. Nach kurzem Überlegen antwortete sie, es war ein heftiger Trip. Darauf wollte ich wissen, wie sie dazu stehe, bald wieder unter Strom gesetzt zu werden. Zögernd schaute sie zu den Männern. Dann sah sie mich wieder an und entgegnete, sie möchte niemanden verurteilen, denn sie selber habe diesen Weg gewählt. Allerdings sei sie auch für jede Erleichterung dankbar.
Der Kommissar kam wieder zu ihr.
Bestürzt sah sie ihn an.
Er lächelte väterlich und befahl, dass ein mäßiger Stromfluss angelegt werde.
Sie zuckte leicht. Stöhnend begann sie sich zu winden. Als sie merkte, dass die Spannung gleich blieb, beruhigte sie sich langsam. Es folgte eine Befragung, bei der sie gefasst und nur hin und wieder durch verhaltenes Stöhnen unterbrochen antwortete. Für mich war es unterhaltsam, ihr zuzuschauen, denn ihre Bewegungen waren oft schamlos und erinnerten an Wollust. Ihre Antworten überzeugten den Kommissar nicht, auch wenn sie sich bemühte, sachlich und überzeugend zu sein. Er überließ sie darauf den beiden Spezialisten.
Was nun folgte, strapazierte meine Nerven. Zum Anfang ließen sich die Schreie, das Stöhnen und Brüllen noch ertragen, aber dann verausgabte sich Silke in einer Weise, dass es teilweise auch für mich zur Folter wurde. Sie warf sich wie von Schlägen getroffen hin und her. Ihr ganzer Körper war ein Rucken und Zucken. Die spitzen Schreie rissen in meinen Ohren. Die Szene vor mir war in einem Maße brutal, dass mir flau im Magen wurde. Ich konnte mir jedoch nicht die Blöße geben und musste mich möglichst unbeeindruckt zeigen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr, wobei ich feststellte, dass die Zeit schier nicht vergehen wollte. Nach fast exakt fünf Minuten rissen die Schreie ab und Silke fiel regelrecht in sich zusammen. Mir schien fast sie hätte das Bewusstsein verloren, doch hob und senkte sich heftig ihre Brust unter dem keuchenden Atem.
Für eine Weile ließ man sie in Ruhe. Dann trat der Kommissar an sie heran und nahm die Befragung erneut auf.
Silke war entkräftet. Sie konnte anfänglich nur leise sprechen. Jedoch war sie bemüht und ihre Antworten kamen immer klarer. Sie blieb bei ihren Unschuldsbeteuerungen, doch verteidigte sie sich nicht mehr ganz so vehement sondern begnügte sich oft mit einem Nein oder Kopfschütteln.
Ich hielt meine Zeit für gekommen und erhob mich. Meiner Bitte, Silke interviewen zu dürfen, wurde entsprochen, allerdings ließ der Kommissar bei ihr wieder etwas Spannung anlegen, so dass sie nur unter Anstrengungen mit mir reden konnte. Zuerst wollte ich von ihr wissen, wie sich der Strom anfühle, mit dem sie gerade belegt werde. Sie entgegnete, es wäre ein Stechen wie tausend Nadeln. Dann fragte ich, ob sie mir die Folter beschreiben könne, der sie gerade ausgesetzt gewesen war. Es kostete ihr einiges an Überwindung, aber sie beschrieb mir, wie der Schmerz tief in sie eingedrungen war und ihre Muskeln verkrampfen ließ. Auch das sich vor ihren Augen feurige Kreise bewegten, wenn sie von dem reißenden Zerren durchgeschüttelt wurde. Einige Stöße seien wie Bisse, so als würden Stücke aus ihr herausgerissen, andere waren glühenden Eisen gleich, die sich scheinbar tief einbrannten.
Ich war von ihrer Offenheit beeindruckt und bedankte mich bei ihr.
Sie sah mir mit flehenden Blicken nach, als ich mich wieder setzte. Bemüht fragte sie, ob ich nicht noch mehr wissen wolle. Mir fiel nichts Besseres ein, als verlegen zu lächeln. Eifrig erzählte sie nun von selbst. Dabei begann sie mich und meine Arbeit zu bewundern.
Der Kommissar ging dazwischen, denn zweifellos wollte sie damit lediglich Zeit schinden.
Die nächsten Ladungen begannen durch Silkes Leib zu schießen. Das gleiche Spiel wie zuvor begann. Immer wieder und ohne Rücksicht jagte man den Strom in die Kabel. Es war ein Schreien, Brüllen und Jammern. Noch hielt sich Silke aufrecht, doch in der Länge der Befragung erlahmte ihr Widerstand. Für mich war es schmerzlich, mit ansehen zu müssen, wie diese tapfere Frau an den nicht enden wollenden Qualen allmählich zerbrach.
Nach einer guten Stunde war sie am Ende. Sie verlor das Bewusstsein, wogegen erst einmal eine Spritze half, die man ihr verabreichte. Dann aber gab ihre körperliche Kraft immer deutlicher nach. Sie war kaum noch bei Sinnen und verstand kaum noch, was man von ihr wollte.
Ich betete innerlich, dass es bald aufhören sollte, doch der Kommissar war zu allem entschlossen. Erbarmungslos bohrte er mit seinen Fragen, worauf immer wieder eine Sitzung mit Stromschlägen folgte.
Fast wollte ich aufspringen und appellieren, als von Silke ein "Ich war es." kam. Sie legte ein Geständnis ab. Und wie zum Beweis verfügte sie über Täterwissen, dass ihre Aussage untermauerte und gültig machte.
Damit war die Tortur beendet.

Auch wenn ich zu den Stimmen gehöre, die gegen die Folter sind, so zeigt der Fall von Silke Kirsten, dass es immer wieder Fälle gibt, die eine solche Maßnahme rechtfertigen. Es darf nur nicht zum Regelfall werden, sondern muss Ultima ratio bleiben.
Am Ende wurde so ein Mord aufgeklärt, der im Zusammenhang mit einem geplanten Terrorakt der Stadtguerilla stand. Es ist kaum abzuschätzen, wie viele Menschenleben dadurch gerettet wurden.

Die Redaktion - Frank Hartmann