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Zeitvertreib
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Vor dem strengen Verhör.Im Stehen nahm ich den letzten Schluck meines Kaffees.
Der Stabsarzt sah mich an.
"Halten sie Christin Walther wirklich für schuldig?"
Kurz zuckte ich mit den Schultern.
"Schuldig vielleicht nicht, aber für verdächtig."
Er hob die Augenbrauen.
"Ist es dann nicht etwas übertrieben, sie gleich zu foltern."
Ich stellte die Tasse ab.
"Keineswegs, mein Verdacht ist nicht ganz, wie sie meinen, aus der Luft gegriffen und ich bin mir sicher, dass sie mehr weiß, als sie in den Verhören zugab."
Skeptisch nahm er den Hefter mit ihrer Akte und blätterte darin herum.
"Hier ist nichts, was ihren Verdacht begründen könnte."
Selbstsicher lächelte ich ihn an. "Muss es auch nicht. Es genügt, wenn ich die Walther foltern möchte."
Er seufzte.
"Ach, ihr von der Sicherheit. Meinetwegen, aber ich bestehe darauf, dass die Walther während der Folter medizinisch überwacht wird. Sollte ihr Zustand zu kritisch werden, haben sie die Folter zu beenden."
Ich nickte.
"Geben sie mir eine ihrer Krankenschwestern oder so. Ich will niemanden, der mir, außer vielleicht wegen medizinischer Gründe, dazwischenredet."
Unwillig griff er zum Telefon und bat einer seiner auszubildenden Ärztinnen zu sich.
Keine Minute später klopfte es und eine junge Offiziersanwärterin meldete sich militärisch exakt.
Der Stabsarzt lächelte ihr wohlwollend zu.
"Stehen sie bequem. Ich habe eine Aufgabe für sie. Begleiten sie unseren Freund von der Sicherheitsabteilung in den Keller. Er ist in einer etwas heiklen Angelegenheit hier. Die Gefangene, Nummer Dreihundertzwölf, soll gefoltert werden. Unser Freund hier will das selbst in die Hand nehmen und ich möchte, dass sie ihm dabei zur Seite stehen, um den Gesundheitszustand der Gefangenen zu überwachen."
Ein kurzer Blick der Frau streifte mich, dann sah sie wieder zu ihrem Vorgesetzen.
"Zu Befehl, Herr Major."
Er ging hinter seinen Schreibtisch.
"Noch Fragen?"
Sie nahm wieder Haltung an.
"Nein, Herr Major."
Lässig ließ er sich in seinen Sessel fallen.
"Dann, abtreten."
Sie nickte und wendete sich mir zu.
Ich spürte die Abneigung des Stabsarztes fast überdeutlich. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ ich das Büro.
Die Ärztin folgte mir und schloss hinter sich die Tür.
Auf dem Flur blieb ich stehen und wartete auf sie.
"Benedikt, mein Name. Ich hoffe, wir arbeiten gut zusammen. Darf ich ihren Namen erfahren."
Sie nahm Haltung an.
"Oberfeldwebel Wegener, Herr Benedikt."
Lächelnd sah ich sie an.
"Sie können die militärischen Gepflogenheiten beiseite lassen. Wie ist ihr Vorname?"
Nun lächelte sie auch. Sie war ein hübsches Mädchen und ihre blauen Augen glänzten.
"Julia. Dann darf ich also frei sprechen?"
Ich nickte.
Neugierig schaute sie mich an.
"Sagen sie mal, sollte die Gefangene Dreihundertzwölf nicht morgen in eine normale Strafvollzugsanstalt entlassen werden?"
Einen Moment überlegte ich.
"Das wird sich wohl noch ein wenig verzögern. Bevor sie unserem Zugriff ganz entzogen ist, möchte ich ihr noch einmal kräftig ins Gewissen reden. Aber, kommen sie, wir wollen keine Zeit verlieren."
Gehorsam folgte sie mir. Wir begaben uns in den Teil des Gebäudekomplexes, wo die Gefangenen für eine besondere Verwendung in Untersuchungshaft gehalten wurden. Dieser Trakt war von der Außenwelt vollkommen abgeschlossen. Er unterstand strengster Geheimhaltung und existierte offiziell nicht. Nur mit einer besonderen Genehmigung bekam man Zutritt. Obwohl mich hier jeder kannte, musste ich meine Fingerabdrücke scannen lassen. Wir passierten mehrere Schleusen, bis wir dann endlich die Sonderhaftabteilung betraten. Ein Feldwebel brachte uns zu der gewünschten Zelle und schloss sie uns auf. Ich bat ihn, uns allein zu lassen, dann betrat ich zusammen mit Julia den fensterlosen Raum.
Christin stand uns, mit dem Rücken zur Wand, gegenüber. Sie konnte ihr Bestürzen kaum verbergen.
Freundlich nickte ich ihr zu.
"Guten Morgen."
Sie schaute kurz zu meiner Begleiterin, dann bewegten sich ihre Augen wieder zu mir.
Ich blieb dicht vor ihr stehen.
"Erstaunt, mich zu sehen?"
Langsam öffnete sie die Lippen.
"Man hat mir gesagt, ich komme morgen hier raus."
Mit gespieltem Bedauern hob ich die Hände.
"Daraus wird wohl nichts. Ich habe den Auftrag bekommen, dich weiter zu verhören."
Ratlos sah sie mich an.
"Aber ich habe ihnen doch alles gesagt. Man hat mich sogar gefoltert."
Nun war ich erstaunt.
"Gefoltert? Davon hat man mir nichts gesagt."
Julia trat nun neben mich.
"Wir haben sie einer kleinen Elektroschockbehandlung unterzogen. Nichts außergewöhnliches. Nur zu Testzwecken."
Ich sah zu ihr.
"Sie waren dabei?"
Schelmisch zwinkerte sie mir zu.
"Ich befolge nur Befehle."
Christin wagte eine Schritt auf mich zu.
"Sie hat mir diese Kabel angeklebt. Ich musste auf so einem ekelhaften Stuhl sitzen und dann haben sie mir diese grässlichen Schocks durch den Kopf gejagt."
Die Selbstverständlichkeit, mit der sie mir dies erzählte, amüsierte mich. In den Verhören hatte ich ihre offene Art kennen lernen dürfen. Es war angenehm mit ihr zu reden und wir hatten zueinander eine fast persönliche Beziehung aufgebaut. Das war es dann auch, was mich vermuten ließ, dass sie dies aus purer Berechnung tat. Hinter dem fast unbedarften Wesen versteckte sich ein verdammt cleveres Mädchen.
Ich nahm sie beim Arm und zog sie mit mir aus der Zelle.
"Hatte man dir die Kabel nur am Kopf angebracht?"
Sie blieb stehen und schaute mich skeptisch an.
"Ja, es war trotzdem nicht sehr schön."

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