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Der Überfall
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Da fiel mir plötzlich wieder die Frau ein. Ohne weitere Worte, drehte ich mich mit der Maschinenpistole in der Hand um und lief zurück in den Kellergang.
Man rief mir nach. Da ich nicht stehen blieb, liefen mir drei Männer hinterher.
Trotz der Dunkelheit nahm ich hastige Schritte. Ich eilte zur Treppe, die nach oben führte. Ohne zu stolpern, kam ich oben an und schaute nach rechts. Dort lag sie gefesselt bei den Heizungsrohren.
Kurz sah sie zu mir.
"Ach, dann haben sie es doch geschafft. Scheiße."
Langsam ging ich zu ihr hin. Den Lauf der Maschinenpistole hielt ich auf sie gerichtet.
"Warum wollten sie vorhin nicht, dass er mich erschießt?"
Sie spuckte aus.
"Verrecke!"
Ich schüttelte den Kopf.
"Sie haben ihren Kumpan umgelegt, damit er mich nicht erschießt. Warum?"
Hinter mir kamen meine drei Verfolger in den Flur. Sie waren erstaunt, die Frau zu sehen. Einer von ihnen fragte, wo der tote Kamerad sei, von dem ich erzählt hatte.
Ich zeigte den Korridor entlang.
"Bei der Glastür."
Zu zweit liefen sie dorthin.
Der dritte kam zu mir.
"Wer ist sie?"
Mir blieb nichts weiter, als mit den Schultern zu zucken. Dann sah ich ihn an.
"Wo ist der, mit dem ich gekommen bin. Er hat die Schlüssel für ihre Handschellen."
Nun zuckte er mit den Schultern.
Ich wollte gerade aufstehen und zurücklaufen, als der Kerl mit den Schlüsseln erschien. Er lies sich nicht lange bitten und öffnete die Schellen.
Die Frau versuchte sogleich aufzuspringen. Wir hielten sie zu dritt fest. Sie wehrte sich heftig. Es gelang uns jedoch recht bald, ihr die Hände auf den Rücken zu zwingen und dort wieder in die Schellen zu schließen. Sie schüttelte und wand sich noch immer. Die beiden Männer waren jedoch geschickt und hoben sie mit festen Griffen auf. Es bereitete ihnen dann auch keine weiteren Schwierigkeiten, sie mit sich zu nehmen.
Ich folgte ihnen.
Uns kamen Uniformierte entgegen. Sie beachteten uns nicht weiter und zwängten sich an mir vorbei. Wir ließen die Treppe hinter uns und brachten die Frau in den großen Kellerraum. Inzwischen standen dort zwei Jeeps. Sie mussten durch das nun weit geöffnete Tor hereingekommen sein. Eilig schafften die beiden Männer die Frau dort hin. Der eine salutierte einem scheinbar Vorgesetzten, der andere hielt die Gefangene weiter fest. Nach einem kurzen Wortwechsel wurde die Frau in den Wagen gestoßen.
Ich fürchtete, sie zu verlieren. Sie hatte mein Leben gerettet, auch wenn sie dabei mit Sicherheit nicht an mein Wohlergehen gedacht hatte. Aber welches Motiv war es? Immerhin hatte sie dafür einen der ihren erschossen.
Kurzerhand ging ich zu dem Vorgesetzten.
"Wohin wird sie gebracht?"
Er sah mich von oben bis unten an. An seiner Uniform fehlten jegliche Rangabzeichen. Mein Dienstgrad als Major der Luftwaffe hätte mir hier jedoch wenig gebracht, selbst wenn er nur ein Feldwebel gewesen wäre. Die Terrorbekämpfungstruppen hatten einen eigenständigen Status und mauserten sich in den letzten Jahren zu einem Staat im Staate. Längst buhlte die Politik um ihre Gunst und wer die besten Verbindungen zu ihren Befehlshabern besaß, der erfreute sich eines sicheren Sitzes im Parlament. Offiziell bekamen die Volksvertreter ihre Stimmen durch die Wahlen, doch die steigende Unsicherheit auf den Straßen bestimmte schon längst fast jeden Bereich der Politik. So war es kaum erstaunlich, dass die Stimmen nach einer starken Partei immer lauter wurden. Stark waren aber nur jene, die sich auf eine wirksame Macht stützen konnten. Durch die ständigen Erfolgsmeldungen in den Medien avancierte in der Meinung der Bevölkerung die Terrorbekämpfungstruppe zum Retter Europas.
Nach einer Weile räusperte er sich.
"Was interessiert sie das?"
Fordernd hob ich die Augenbrauen.
"Ich möchte wissen, was mit dem Mädchen passiert."
Er zuckte mit den Achseln, dann zeigte er auf die Maschinenpistole in meiner Hand.
"Die gehört wohl uns."
Gereizt gab ich ihm die Waffe.
"Was ist nun, wo bringen sie das Mädchen hin?"
Er grinste.
"Zu viel Neugierde ist nicht gut. Sein sie froh, dass sie noch am Leben sind. Also, machen sie, dass sie in den anderen Wagen kommen, wir nehmen sie mit."
Darauf stieg er in seinen Jeep und schlug mir vor der Nase die Tür zu.
Ich stand da wie ein dummer Junge. Zorn kam in mir auf. Schon wollte ich die Tür wieder aufreißen und den Kerl herauszerren, doch dann besann ich mich eines besseren. Es hätte mir ohnehin nur Ärger eingehandelt. Ich musste auf eine andere Weise an die Frau herankommen.
Der Motor des Jeeps sprang an. Der Wagen ruckte nach vorn und fuhr aus dem Keller.
Ich besann mich und lief zum zweiten Jeep. Auf dem Hintersitz fand ich noch einen Platz. Laut brüllte der Motor auf und mit quietschenden Rädern folgten wir dem ersten Wagen. Ich wurde ordentlich durchgeschüttelt. Instinktiv suchte ich nach einem Gurt.
Mein Nebenmann schaute mich schief an.
Ich zuckte mit den Schultern.
"Als Flieger bin ich es gewohnt, mich anzuschnallen."
Die Fahrt über herrschte eisiges Schweigen. Nun verfügte ich über genug Zeit um nachzudenken. Erst jetzt begann ich zu begreifen, was wirklich geschehen war. Zuvor hatte ich alles wie in einem Film erlebt. Ich stand quasi neben mir und handelte wie eine von mir gelenkte Figur in einem Computerspiel. Das kannte ich aus der Fliegerei. Wenn die Ereignisse zu schnell auf einen einstürmen, handelt man wie ein Roboter. Dann helfen nur die richtig antrainierten Handgriffe oder ein leistungsstarker Rechner, der die Lenkung der Maschine übernimmt.
Wir fuhren in die Stadt. Anhand der Route wurde mir bald klar, dass wir zu meiner Dienststelle unterwegs waren.
Ich legte mir im Gedanken meine Vorgehensweise zurecht, wie ich an die Frau kommen würde. Mich beherrschte nur noch der Drang zu erfahren, wer sie war und weshalb sie meinetwegen einen ihrer Kumpane erschoss. Ich wollte es wissen!
- Ende -
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