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Zeitvertreib
- Seite 8 -
Ich lachte verlegen. Obwohl ihre Antwort eine Unverschämtheit darstellte, fühlte ich mich ertappt wie ein kleiner Junge. Andererseits fand ich auch Gefallen an ihrer Dreistigkeit. Sie besaß ein hübsches Gesicht und ihr Lächeln, auch wenn es hämisch war, nahm mich weiter für sie ein. So konnte ich ihr nicht wirklich böse sein und nickte ihr zu.
"Da mögen sie vielleicht recht haben, allerdings sehe ich diese Session mehr als Vergnügen. Man sollte nicht immer alles bierernst nehmen. Ich kann die kleine Aufmunterung gut gebrauchen. Meine Freundin gab mir letzte Woche den Abschied und irgendwie bin ich seitdem deprimiert. Ich dachte, da könnte mich so eine kleine Quälerei aufmunternd."
Julias spöttischer Gesichtsausdruck verschwand.
"Für diese Freiheit beneide ich sie allerdings."
Ihr Sinneswandel erstaunte mich.
"Ach was, dann würde mich mal interessieren, was sie mit unserer Nummer Dreihundertzwölf anfangen würden."
Julias Blick schwenkte kurz zu Christin hinüber.
"Ich würde ihrem elenden Gezappel ein Ende bereiten."
Dann sah sie mir ins Gesicht.
"Ein knackiger Kerl würde mir dort besser gefallen. Aber leider habe ich keine Befugnisse. Vielleicht ist es nur ein Zufall, aber ich habe letzte Woche meinem Freund, wie ihre Freundin ihnen, den Laufpass gegeben. Wir beide sind also Single."
Lauernd kniff ich die Augen zusammen.
"Was wollen sie mir denn damit sagen?"
Nun grinste sie wieder.
"Och, nur, dass ich sie mir dort hängend ganz gut vorstellen könnte. Vielleicht würde ich sie auch ein wenig stimulieren."
Anzüglich grinste ich zurück.
"Wenn sie mir eigenhändig die Elektroden anlegen, dann gerne."
Erheitert sah sie an mir herab.
"Na, das soll mir ein Vergnügen sein."
Ich fasste ihr unter das Kinn und hob ihren Blick.
"Das können wir auch ohne Elektroden probieren. Was halten sie davon, wenn ich das Essen mit Nummer Dreihundertzwölf umarrChristinre und wir beide stattdessen einen angenehmen Abend im Coronado haben. Danach gehen wir..."
Sie wand ihr Gesicht aus meinem Griff.
"Für wen halten sie mich?"
Ernüchtert zuckte ich mit den Schultern.
"Für eine attraktive Frau in der Uniform eines Oberfeldwebels der Luftwaffe."
Skeptisch beäugte sie mich von der Seite.
"Meinetwegen, wir können es ja versuchen."
Erleichtert lächelte ich.
"Gut, dann rufe ich sie an. Privat duzen wir uns dann aber."
Sie gab nur einen kurzen Laut von sich, den ich verheißungsvoll als Zustimmung deutete.
Christin war inzwischen an den Rand der Erschöpfung angelangt. Der kalte Schweiß rann ihr aus allen Poren und sie schien einem Kollaps nahe. Ihr Gesicht war nur noch eine Grimasse.
Julia, die den Ernst erkannte, ging zu dem Spannungsgeber und stellte ihn ab.
Christin blieb leblos an der Aufzugsvorrichtung hängen.
Ich kümmerte mich nicht mehr darum. Mit einem Augenzwinkern verabschiedete ich mich von Julia. Am Abend noch rief ich sie an und holte sie mit dem Taxi von ihrer Wohnung ab.
- Ende -
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